Leine los!?
Praxislektion 1 - Das Signalwort bekommt eine Bedeutung
Dein Signalwort
Wir haben zusammen den ersten wichtigen Baustein des Rückrufs aufgebaut:
Signal → Orientierung → Belohnung
Dabei ging es noch nicht darum, dass dein Hund auf Distanz zuverlässig zu dir zurückkommt. Wir haben zuerst dafür gesorgt, dass dein Signalwort für deinen Hund eine klare und positive Bedeutung bekommt. Das ist der „Tortenboden“, die Basis für den Aufbau.
Mitentscheidend dabei ist dein Timing. Du gibst das Signal einmal und beobachtest, was dein Hund macht. Schon eine kleine Reaktion zählt: ein Ohr, ein Blick, eine Kopfbewegung, eine Körperdrehung oder ein Schritt in deine Richtung.
Sobald dein Hund sich orientiert, kommt die Belohnung – spätestens nach 0,5 Sekunden.
So verknüpfen wir das Signal mit einer positiven Erfahrung: Dein Hund hört das Wort, orientiert sich an dir und erlebt, dass sich diese Orientierung lohnt.
Deine Aufgaben bis zur nächsten Praxislektion
Jetzt geht es darum, diese Verbindung im Alltag weiter aufzubauen.
1. Viele kleine Wiederholungen statt langer Trainingseinheiten
Nimm dir mehrmals über den Tag verteilt 2–3 kurze Wiederholungen vor.
Das kann zu Hause passieren, aber auch an kleinen, vertrauten Orten rund ums Haus, zum Beispiel in der Auffahrt, auf dem Parkplatz oder an einem anderen ruhigen Ort.
Nach 2–3 Wiederholungen ist Schluss.
Wir wollen keine Übung abarbeiten. Die Qualität jeder einzelnen Wiederholung ist wichtiger als die Anzahl.
2. Nutze unterschiedliche kleine Situationen
Das Prinzip bleibt immer gleich:
Signal → Orientierung → sofort belohnen
Du kannst dabei deine Position leicht verändern:
- dein Hund steht etwas entfernt
- du bist seitlich von ihm
- du gehst ein paar Schritte
- dein Hund schaut gerade irgendwo anders hin
- du bewegst dich langsam von ihm weg
Verändere zunächst nur eine Sache aufs Mal.
Wenn es gut funktioniert, kannst du langsam etwas variieren.
3. Beobachte deinen Hund
Deine wichtigste Aufgabe ist nicht nur das Üben, sondern das Beobachten.
Achte darauf:
- Wann ist mein Hund gut ansprechbar?
- Welche kleinste Reaktion zeigt er auf mein Signal?
- Wie schnell kann ich diese Reaktion belohnen?
- Wann wird es für meinen Hund schwieriger?
Du sollst dadurch immer besser erkennen, welche Situationen sich für eine Wiederholung eignen und wann du es lieber lässt.
4. Nicht testen
Bitte verwende dein neues Signal nicht, um zu testen, ob dein Hund jetzt schon kommt.
Wenn dein Hund gerade stark beschäftigt ist, einen interessanten Geruch verfolgt, sehr aufgeregt ist oder durch einen Reiz gebunden ist, ist das keine gute Trainingssituation. Wie zum Beispiel hier auf diesem Foto, wo Samba in jüngeren Jahren mit einer Wildsichtung beschäftigt ist.
5. Zum Erfolg führen
Wir bauen das Signal dort auf, wo dein Hund Erfolg haben kann.
Was sinnvoller ist, als in einer hohen Ablenkung zu „testem“, dass du die Form der Positionierung, also deine körperliche Ausrichtung, leicht veränderst. Auch du brauchst das Training und die Sicherheit, warum, wann und wie du deine Techniken ausführst.
5. Das Signal bleibt klar
- Signal nur einmal sagen.
- Nicht den Namen des Hundes davor setzen.
- Nicht mit weiteren Worten nachhelfen.
- Nicht locken.
- Nicht wiederholen, wenn keine Reaktion kommt.
- Lieber die Situation verändern und es später nochmals versuchen.
Und ganz wichtig: Belohne die Orientierung und nicht erst den perfekten Rückruf. Zudem: PAUSEN zwischen den Elementen die du übst.
6. Kleine Momente im Alltag nutzen
Du musst nicht jedes Mal eine Trainingseinheit daraus machen.
Wenn dein Hund sich von sich aus zu dir orientiert, kannst du diese Momente ebenfalls positiv beantworten.
So entsteht nach und nach eine Verbindung zwischen euch, die nicht nur auf das formelle Rückruftraining beschränkt ist.
7. Wenn schon alles klappt
Das nächste Video zeigt die Variante Rückruf direkt aus der Bewegung. Diese Form aus der Bewegung heraus übst du erst, wenn alles andere sitzt.
Für die nächste Praxislektion
Beobachte bis dahin vor allem:
Was funktioniert bereits gut?
In welchen Situationen reagiert mein Hund leicht?
Wann wird es schwieriger?
Welche kleinen Veränderungen kann mein Hund bereits bewältigen?
Wir schauen uns diese Erfahrungen in der nächsten Lektion gemeinsam an und entscheiden dann, wie viel Distanz und welche neue Schwierigkeit dein Hund als Nächstes bewältigen kann.