Willkommen Zuhause

Abholtag und erste 24 Stunden

Heute beginnt eure gemeinsame Reise

Heute ist ein Tag, auf den ihr euch wahrscheinlich schon lange gefreut habt.

Heute lernt ihr euren Welpen nicht zum ersten Mal kennen – aber heute beginnt euer gemeinsames Leben.

Für euren Welpen beginnt ein völlig neues Leben. 

Er verabschiedet sich von seiner Mutter, seinen Geschwistern und seiner vertrauten Umgebung. Zum ersten Mal wird er ohne seine Hundefamilie sein.

Deshalb dürfen wir nicht vergessen:

Während wir voller Vorfreude sind, erlebt euer Welpe gleichzeitig einen grossen Abschied.

Gebt ihm Zeit.

Gebt ihm Sicherheit.

Und erwartet heute nicht zu viel. Welpen wissen nicht, wie sie mit den Emotionen umgehen sollen und können sich entweder zurückhaltend, verängstigt und auch abwehrend verhalten. Gebt dem kleinen Wesen viel Zeit und Raum, anzukommen – bevor ihr überhaupt mit Training, Besuchen und Gedanken an Auslastung denkt. Hund leben ein Leben lang. Also bitte schön langsam – step by step :). 

Beim Züchter

Nehmt euch genügend Zeit für die Übergabe.

Lasst euch nochmals alles erklären und stellt alle Fragen, die euch wichtig sind.

Zum Beispiel:

  • Welches Futter erhält der Welpe?
  • Wie oft wird aktuell gefüttert?
  • Gibt es Rituale, die ihm Sicherheit geben?
  • Welche Erfahrungen durfte er bisher sammeln?
  • Gibt es Besonderheiten, die ihr wissen solltet?

 

Lasst euch alle Unterlagen mitgeben und kontrolliert gemeinsam, ob alles vollständig ist.

Wenn euch der Züchter eine Decke oder ein Tuch mit dem Geruch der Mutter oder der Geschwister mitgibt, nehmt dieses unbedingt mit. Vertraute Gerüche können eurem Welpen in den ersten Tagen Sicherheit vermitteln. Schön wäre, wenn ihr ein paar Flaschen Wasser vom Züchter mitnehmen könnt. Wir Menschen schmecken den Unterschied weniger – Hunde sind da viel feiner in ihrer Geruchswahrnehmung. 

Verabschiedet euch in Ruhe.

Auch wenn es euch vielleicht schwerfällt – vermeidet Hektik. Eure Gelassenheit hilft eurem Welpen, sich an euch zu orientieren.

Der Abschied

Viele Welpen reagieren ganz unterschiedlich.

Manche steigen neugierig ins Auto.

Andere fiepen oder wirken unsicher.

Beides ist völlig normal.

Versucht nicht, den Welpen ständig abzulenken oder zu trösten.

Bleibt ruhig.

Eure Gelassenheit gibt Orientierung.

Die Heimfahrt

Sichert euren Welpen gut im Auto – entweder in einer geeigneten Transportbox oder mit einem passenden Sicherheitsgeschirr.

Fahrt ruhig und vorausschauend.

Verzichtet möglichst auf Umwege oder zusätzliche Besorgungen.

Heute gibt es nur ein Ziel:

Gemeinsam zuhause ankommen.

Falls die Fahrt länger dauert, plant kurze Pausen ein. Lasst euren Welpen dabei nur an einem gut gesicherten Ort aussteigen und sich in Ruhe lösen.

Zuhause angekommen

Wenn ihr zuhause ankommt, gebt eurem Welpen zunächst die Möglichkeit, sich in aller Ruhe zu lösen.

Anschliessend darf er seine neue Umgebung Schritt für Schritt kennenlernen. Führt in dabei an der Leine. Geht gemeinsam durch die Räume. Zeigt ihm nicht das ganze Haus auf einmal. Ein kleiner, überschaubarer Bereich genügt völlig.

Lasst ihn schnüffeln. Beobachten. Ankommen.

Kinder und Welpe

Ein Welpe ist für Kinder etwas ganz Besonderes.

Er ist weich, bewegt sich, spielt und sucht Kontakt. Die Freude ist gross und der Wunsch, ihn anzufassen, zu streicheln und mit ihm zu spielen, ist völlig verständlich.

Gleichzeitig müssen Kinder lernen:

Ein Hund ist kein Spielzeug.

Er hat Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen.

Gerade in den ersten Tagen ist es unsere Aufgabe als Erwachsene, die Begegnungen zwischen Kind und Hund zu begleiten.

Nicht, weil etwas schiefgehen muss.

Sondern weil wir von Anfang an eine gute Beziehung aufbauen möchten.

 

Kinder und Hunde können wunderbare Freunde werden. 

Die Verantwortung für eine sichere Beziehung liegt aber immer bei den Erwachsenen.

Die wichtigste Regel

Der Hund darf immer Nein sagen.

Ein Welpe darf:

  • weggehen
  • sich hinlegen
  • schlafen
  • nicht angefasst werden wollen
  • Abstand brauchen

Wenn ein Hund sich zurückzieht, respektieren wir das.

Wir gehen nicht hinterher.

Wir locken ihn nicht zurück.

Wir bedrängen ihn nicht.

Wie berührt man einen Hund?

Kinder möchten einen Hund oft von oben über den Kopf streicheln.

Viele Hunde mögen diese Berührung jedoch nicht besonders.

Zeigt euren Kindern:

Angenehme Berührungen:

✔ seitlich am Körper streicheln

✔ über Brust oder Schulter streichen

✔ sanfte, langsame Bewegungen

✔ kurz streicheln und wieder Pause machen

So nicht:

❌ auf den Kopf greifen

❌ um den Hals greifen

❌ umarmen

❌ festhalten

❌ ziehen

❌ den Hund küssen

❌ auf den Hund legen

Für uns Menschen sind Umarmungen ein Zeichen von Liebe.

Für viele Hunde kann eine Umarmung jedoch ein Gefühl von Einschränkung auslösen.

Die 3-Sekunden Regel

Eine schöne Übung für Kinder:

  1. Kind streichelt den Hund kurz.
  2. Kind hört auf.
  3. Der Hund darf entscheiden.

 

Kommt der Hund wieder näher?

→ Er möchte ev. noch mehr Kontakt.

Geht er weg?

→ Er braucht eine Pause.

So lernen Kinder, die Körpersprache des Hundes zu lesen.

Wann darf ich den Hund streicheln

Vor dem Berühren kommt immer die Frage:

„Möchte der Hund das gerade?“

Kinder lernen:

Nicht jeder Moment ist ein Streichelmoment.

Kein Streicheln:

❌ wenn der Hund schläft

❌ wenn der Hund frisst

❌ wenn der Hund kaut

❌ wenn der Hund in seinem Rückzugsort liegt

❌ wenn der Hund gerade müde oder überfordert wirkt

❌ wenn der Hund weggeht

Der Ruheplatz gehört dem Hund

Ein ganz wichtiger Familienpunkt:

Der Ruheplatz ist ein sicherer Ort.

Dort gilt:

Der Hund wird nicht gestört.

Auch nicht:

  • zum Streicheln
  • zum Spielen
  • zum „nur kurz schauen“

Kinder dürfen lernen:

Wenn der Hund dort liegt, zeigt er:

„Ich brauche Ruhe.“

Wie können Kinder Kontakt aufnehmen?

Besonders kleine Kinder profitieren von Aufgaben, bei denen sie nicht ständig anfassen müssen.

Zum Beispiel:

✔ Leckerli auf den Boden rollen

✔ beim Füttern helfen

✔ beim Training zuschauen

✔ den Namen des Hundes ruhig sagen

✔ gemeinsam beobachten

Für Kleinkinder:

✔ Interaktionen müssen immer begleitet sein

✔ kurze Begegnungen

✔ Erwachsene führen die Situation

✔ Hund und Kind nie unbeaufsichtigt zusammen lassen

Erwachsene übernehmen die Verantwortung - Kinder werden immer beaufsichtigt

Kinder können lernen.

Aber sie können die Verantwortung nicht übernehmen.

Die Erwachsenen entscheiden:

  • wann Kontakt stattfindet
  • wann eine Pause nötig ist
  • wann der Hund Ruhe braucht
  • wann eine Situation beendet wird

 

Ein guter Familienhund entsteht nicht dadurch, dass der Hund alles akzeptieren muss.

Ein guter Familienhund entsteht dadurch, dass alle Beteiligten respektiert werden.

Beobachtungsauftrag Familie

Beobachtet in den ersten Tagen:

  • Wann sucht der Hund Nähe?
  • Wann braucht er Abstand?
  • Wie zeigt er Freude?
  • Wie zeigt er Unsicherheit?
  • Welche Situationen sind für alle entspannt?

Familienregel

Unsere wichtigste Regel:

Wir fragen den Hund zuerst.

Möchte er Kontakt?

Möchte er Ruhe?

Möchte er spielen?

Wir lernen, zuzuhören.

Merke

Ein Kind und ein Hund können eine wunderschöne Verbindung entwickeln.

Der Grundstein dafür ist nicht, dass der Hund möglichst viel aushält.

Der Grundstein ist, dass Kinder lernen, den Hund zu verstehen.

Denn echte Freundschaft entsteht dort, wo beide Seiten gesehen werden.

Essen und Trinken

Stellt eurem Welpen frisches Wasser zur Verfügung.

Bietet ihm das gewohnte Futter an.

Es ist völlig normal, wenn er am ersten Tag weniger frisst als gewohnt.

Die vielen neuen Eindrücke und der Abschied von seiner bisherigen Familie können den Appetit beeinflussen.

Gebt ihm Zeit.

Schlaf und Ruhe

Kaum etwas ist für euren Welpen so wichtig wie ausreichend Schlaf.

Während des Schlafens verarbeitet er all die neuen Eindrücke, die dieser Tag mit sich bringt.

Lasst ihn deshalb immer wieder zur Ruhe kommen.

Respektiert seinen Ruheplatz und erklärt auch den Kindern, warum ungestörter Schlaf so wichtig ist.

Ruhe ist keine Pause vom Lernen.

Ruhe ist ein wichtiger Teil des Lernens.

Die erste Nacht

Für viele Familien ist die erste Nacht mit dem Welpen besonders aufregend.

Vielleicht fragt ihr euch:

  • Soll der Welpe alleine schlafen?
  • Was tun, wenn er weint?
  • Muss ich nachts hinaus?
  • Darf ich ihn trösten?
  • Gewöhnt er sich dann daran?

 

Denkt daran:

Bis gestern hat euer Welpe jede Nacht mit seiner Mutter und seinen Geschwistern verbracht.

Heute ist zum ersten Mal alles anders.

Dass er eure Nähe sucht, ist deshalb kein Zeichen von Verwöhntsein.

Es ist ein ganz normales Bedürfnis nach Sicherheit.

Wichtig ist nicht, dass ihr möglichst schnell Distanz schafft.

Wichtiger ist, dass euer Welpe Vertrauen entwickeln kann.

Gebt ihm Sicherheit, begleitet ihn ruhig und reagiert feinfühlig auf seine Bedürfnisse.

Nächtliches Lösen gehört in den ersten Wochen ganz selbstverständlich dazu.

Bleibt dabei möglichst ruhig, sprecht wenig und macht daraus keine Spielzeit.

Danach geht es wieder gemeinsam zurück zur Ruhe.

Was ist normal?

Viele Welpen zeigen in den ersten Stunden oder Tagen Verhaltensweisen, die ihre Menschen verunsichern.

Normal sind zum Beispiel:

✔ viel schlafen

✔ wenig Appetit

✔ häufiges Lösen

✔ Fiepen oder Jaulen

✔ Nähe suchen

✔ vorsichtiges Erkunden der neuen Umgebung

✔ Unsicherheit

Gebt eurem Welpen Zeit.

Beobachtungsauftrag

Nehmt euch Zeit, euren Welpen kennenzulernen.

Beobachtet:

  • Wann sucht er eure Nähe?
  • Wann zieht er sich zurück?
  • Welche Situationen machen ihn neugierig?
  • Wo wirkt er noch unsicher?
  • Was hilft ihm, sich zu entspannen?
  •  

Schaut einfach hin. Ohne zu bewerten.

Eure Hausaufgabe

Für die ersten 24 Stunden gibt es nur drei Ziele:

☐ Sicherheit geben.

☐ Ruhe ermöglichen.

☐ Gemeinsam ankommen.

Mehr braucht es heute nicht.

MERÀKI zum Schluss

Euer Welpe braucht keine Willkommensfeier. Er braucht eine Familie, die ihm Zeit gibt, anzukommen.

Der erste Tag entscheidet nicht darüber, wie euer Hund später einmal sein wird.

Aber er kann der Beginn einer Beziehung sein, die von Vertrauen, Verständnis und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

Geniesst diesen besonderen Tag. Was sich ebenfalls sehr bewährt, ist von jetzt an ein Tagebuch zu führen :).